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Das Müllproblem

(Herbert sitzt beim Frühstück und liest Zeitung, Elvira kommt gerade aus der Küche)

ELVIRA:
"Du müsstest mal wieder den Bio-Müll runterbringen. Es passt schon nichts mehr in den Eimer."

HERBERT:
"Ja ja, gleich. Ich will nur eben die Zeitung zu Ende lesen."

ELVIRA:
"Das ist mal wieder typisch: Ich stehe in der Küche und weiß nicht, wohin ich die Abfälle schmeißen soll und der Herr liest in aller Ruhe Zeitung."

HERBERT:
"Ich bin ja gleich fertig. Nur keine Aufregung."

ELVIRA:
"Soll ich jetzt hier solange stehen, mit den Kartoffelschalen in der Hand, bis du fertig gelesen hast, oder was?"

HERBERT:
"Leg es doch einfach auf den Tisch. Ich nehme es nachher mit."

ELVIRA:
"Auf den Tisch? Soll ich den Müll vielleicht neben unser Essen legen, oder wie stellst du dir das vor? Auf den Tisch, also sowas!"

HERBERT:
"Dann schmeiß es halt in den Restmüll, da ist noch Platz, den hab ich heute morgen runtergetragen."

ELVIRA:
"In den Restmüll? Kartoffelschalen sind Bioabfälle, die gehören in den Bio-Müll und nicht in den Restmüll. Aber das scheint dem Herrn ja egal zu sein."

HERBERT:
"Das ist mir auch egal."

ELVIRA:
"Ja, das ist mal wieder typisch für dich. Haupsache, du hast deine Ruhe, alles andere ist dir egal. Sollen doch alle im Müll ersticken, wenn du nur in Ruhe Zeitung lesen kannst."

HERBERT:
"Mein Gott, die paar Kartoffelschalen, davon geht die Erde schon nicht gleich unter."

ELVIRA:
"Steter Tropfen höhlt den Stein, merk dir das!"



HERBERT:
"Du meinst wohl: Stete Schale höhlt die Erde."

ELVIRA:
"Du mußt natürlich wieder deine dummen Witze machen. Du solltest lieber daran denken, daß die Erde nicht uns gehört, wir haben sie nur von unseren Kindern geliehen. Das hab ich gelesen."

HERBERT:
"Wir haben keine Kinder."

ELVIRA:
"Wir nicht, aber andere haben Kinder."

HERBERT:
"Von denen leih ich mir nichts. Schon gar nicht von dem Rotzbengel nebenan. Von dem leih ich grad gar nichts."

ELVIRA:
"So ist das ja auch nicht gemeint. Wir sollen die Erde nur pfleglich behandeln, weil wir sie unseren Nachkommen vererben."

HERBERT:
"Ich denk, die Erde ist nur geliehen. Man kann nicht vererben, was man nur geliehen hat. Und außerdem: dem Lümmel nebenan vererbe ich auch nichts. So weit kommts noch"

ELVIRA:
"Es geht doch nicht um einen, es geht um alle Kinder dieser Welt."

HERBERT:
"Von denen leih ich mir auch nichts. Ich leih mir von keinem was."

ELVIRA:
"Das ist doch nur symbolisch gemeint, das mit dem leihen. Die Erde ist ja nicht wirklich geliehen."

HERBERT:
"Na, dann kannst du ja auch die Kartoffelschalen drauf schmeissen, wenn sie nun doch nicht geliehen ist."

ELVIRA: "Das kannst du eben nicht, denn die Erde gehört uns nicht. Du darfst nicht etwas verschandeln, das dir gar nicht gehört."

HERBERT:
"Weißt du was? Du gehst mal rüber zu diesem Nachbarsbengel, leihst dir von dem die Erde und schmeisst da den Müll drauf. Der merkt das gar nicht, so schlampig wie der ist."

(c) Bernd Walf