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Robinsons Rasen (1)

Ein Mann und eine Frau sitzen in einem Wohnzimmer. Die Frau strickt und der Mann liest in dem Buch "Robinson Crusoe". Nach einer Weile läßt er das Buch sinken und sinniert.

ER
Leben wie Robinson Crusoe. Das ist doch das wahre Leben. Frei und unbeschwert, im Einklang mit der Natur. Das wäre etwas!

SIE
Du willst mit der Natur Leben, ausgerechnet du. Es fällt dir ja schon schwer, alle zwei Wochen den Rasen zu mähen.

ER
Das ist doch nicht dasselbe! Hier ist alles so ... so ordentlich, das hat mit der Natur nichts mehr zu tun. Überhaupt nichts!

SIE
Ein Rasen ist nicht ordentlich, wenn man ihn nicht mäht.

ER
Der Rasen, immer wieder der Rasen! Mir geht es doch um etwas anderes. Heute lebt doch niemand mehr richtig. Man muß um nichts mehr kämpfen. Nicht wie Robinson es mußte. Alles fliegt einem in den Mund, wie die gebratenen Tauben im Schlaraffenland.



SIE
Wenn man Mann ist und verheiratet, dann schon.

ER
Na hör mal, als wenn ich mich ständig von dir bedienen ließe. Schließlich leiste ich auch meinen Beitrag zum Haushalt, ich trockne ab, ich bringe den Müll raus, ich ... äh...

SIE
Du mähst den Rasen, manchmal jedenfalls.

ER
Ja, richtig, ich mähe den ... schon wieder der Rasen! Ständig redest du nur vom Rasen. Ich rede von meinen Träumen, von meinen tiefsten Gedanken. Ich breite sozusagen mein Innerstes, meine ganze Seele vor dir aus, und du redest nur vom Rasen!

SIE
Er müßte halt mal wieder gemäht werden, der Rasen. Und zwar bald.

ER
Rasenmähen! Pah!

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